Wir bei DMK E-BUSINESS prüfen seit vielen Jahren Websites und Anwendungen auf digitale Barrierefreiheit und die Frage, die uns Kunden fast immer zuerst stellen, lautet: Reicht ein automatisierter Scan, oder brauchen wir einen aufwendigen manuellen BITV-Test? Die kurze Antwort: Automatisierte Tools finden viele technische Fehler zuverlässig und schnell, können eine vollständige BITV-Konformität aber nicht bestätigen. Kontext, Tastaturabläufe, Screenreader-Ausgabe und Verständlichkeit lassen sich nur aus eigener Hand bewerten. Mit einem hybriden Testprozess aus automatisiertem Monitoring, manueller Expertenprüfung und gezielten Nutzertests sind Sie auf der sicheren Seite – wie genau der aussehen kann, zeigen wir in diesem Beitrag.
Was ist ein BITV-Test?
Ein BITV-Test untersucht, wie zugänglich eine Website oder Webanwendung für Menschen mit Einschränkungen ist. Geprüft werden unter anderem die Bedienung mit der Tastatur, die Ausgabe durch Screenreader, die semantische Quellcode-Struktur, Farbkontraste, Formulare, dynamische Inhalte sowie Alternativen für Bilder, Audio- und Videoinhalte. Für native mobile Anwendungen gibt es ein eigenes Prüfverfahren, den BIK BITV-Test (App), mit eigener Methodik und einer repräsentativen Auswahl von Ansichten – dieser Beitrag konzentriert sich auf das Website-Testing.
In der Praxis wird "BITV-Test" häufig recht allgemein für jede Prüfung der digitalen Barrierefreiheit verwendet. Entscheidend ist aber, welcher Standard und welches Prüfverfahren dahintersteckt:
- BITV 2.0: Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung gilt insbesondere für Websites und mobile Anwendungen öffentlicher Stellen des Bundes. Mehr zur Umsetzung finden Sie in unserem Überblick zu barrierefreien Webangeboten für die öffentliche Verwaltung.
- WCAG: Die Web Content Accessibility Guidelines beschreiben international anerkannte Anforderungen an barrierefreie Webinhalte.
- EN 301 549: Die europäische Norm definiert Anforderungen an die Barrierefreiheit von Informations- und Kommunikationstechnik.
- BFSG: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 für bestimmte Produkte und Dienstleistungen, die Verbraucher angeboten werden – darunter Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, beispielsweise Online-Shops. Nicht jede Unternehmenswebsite fällt automatisch unter das BFSG. Für Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten oder erbringen, gelten grundsätzlich Ausnahmen.
Je nach Zielsetzung kann die Prüfung als projektbezogenes Accessibility-Audit, als strukturierter BITV-Selbsttest oder als formaler BIK BITV-Test durch eine BIK-Prüfstelle durchgeführt werden. Umfang, Ergebnisdarstellung und eine mögliche Konformitätsaussage unterscheiden sich entsprechend: Der formale BIK BITV-Test wird nach einer festgelegten Methodik mit Qualitätssicherung durchgeführt. Sind die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, kann das Ergebnis veröffentlicht und ein BIK-Prüfzeichen ausgestellt werden. Ein Accessibility-Audit außerhalb dieses formalen Verfahrens liefert ebenfalls belastbare technische und fachliche Ergebnisse, berechtigt aber nicht automatisch zur Nutzung eines BIK-Prüfzeichens.
Welche Anforderungen für Ihr konkretes Angebot gelten, sollten Sie deshalb am Anfang klären – dabei spielen Betreiber, Zielgruppe und Funktionsumfang eine Rolle. In unserem Guidebook „Digitale Inklusion“ haben wir die wichtigsten rechtlichen Hintergründe sowie Planung und Umsetzung eines barrierefreien Webangebots zusammengefasst.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen fachlichen Überblick und ersetzt keine rechtliche Beratung.
Welche Bereiche umfasst ein BITV-Test?
Im aktuellen BIK BITV-Test für Websites werden 88 Anforderungen der EN 301 549 in insgesamt 98 Prüfschritten untersucht. Mehrere Prüfschritte können dabei derselben übergeordneten Anforderung zugeordnet sein. Mit dem BIK BITV-Test + WCAG 2.2 (Web) gibt es zusätzlich ein erweitertes Prüfverfahren, das die sechs zusätzlichen Anforderungen der WCAG 2.2 auf Konformitätsstufe AA einbezieht.
Ein Test umfasst beispielsweise folgende Bereiche:
- Inhalte: Textalternativen für Bilder und Bedienelemente, semantisch korrekte Überschriften, Listen und Tabellen sowie verständliche Linktexte und Beschriftungen.
- Bedienung: vollständige Bedienbarkeit mit der Tastatur, eine sichtbare und logisch geführte Fokusreihenfolge, barrierefreie Formulare und Fehlermeldungen sowie zugängliche Dialoge, Menüs und andere dynamische Komponenten.
- Darstellung: ausreichende Farbkontraste, Vergrößerung, Reflow und anpassbare Textabstände.
- Technik und assistive Technologien: programmatisch erkennbare Statusmeldungen, Kompatibilität mit Screenreadern und anderen assistiven Technologien sowie Untertitel und Audiodeskriptionen für zeitbasierte Medien.
Bei umfangreichen Webangeboten wird in der Regel nicht jede einzelne URL vollständig manuell geprüft. Stattdessen wird eine repräsentative Auswahl aus Seitentypen, Komponenten, Funktionen und vollständigen Nutzerprozessen zusammengestellt. Dazu können etwa die Startseite, eine Suchergebnisseite, ein Formular, ein Login-Prozess, eine Detailseite und ein Bestellvorgang gehören. Das Vorgehen ermöglicht eine belastbare Bewertung, ohne identische Komponenten auf hunderten Seiten wiederholt zu testen.
Automatisierte Barrierefreiheitstests: schnell und wiederholbar
Automatisierte Testing-Tools analysieren den Quellcode und technisch ermittelbare Eigenschaften einer Website und gleichen sie mit hinterlegten Prüfregeln ab. Ihre Stärke liegt darin, viele Seiten schnell und nach einheitlichen Regeln zu untersuchen – ideal für umfangreiche Webangebote und wiederkehrende Prüfungen.
Welche Barrieren können Tools automatisch erkennen?
Je nach Werkzeug können automatisierte Tests unter anderem folgende Probleme identifizieren:
- Bilder ohne hinterlegtes alt-Attribut
- Formularelemente ohne programmatisch ermittelbare Beschriftung
- fehlende Dokumentensprache
- leere Links oder Schaltflächen
- bestimmte fehlerhafte ARIA-Attribute
- unzulässige oder doppelte IDs
- einzelne Fehler in der Überschriftenstruktur
- mathematisch nicht ausreichende Farbkontraste
- Elemente ohne zugänglichen Namen
- bestimmte Probleme in der HTML-Struktur
- wiederkehrende Fehler in Templates und Komponenten
Die Ergebnisse helfen Entwicklern und Redakteuren dabei, technisch eindeutig erkennbare Barrieren frühzeitig zu beseitigen. Besonders wertvoll ist dies, wenn dieselbe fehlerhafte Komponente auf vielen Seiten eingesetzt wird.
Automatisierte Werkzeuge können als Browser-Erweiterung, Online-Checker, Bestandteil der Entwicklungsumgebung oder als Kommandozeilen-Tool eingesetzt werden. Auch eine Einbindung in Content-Management-Systeme und Monitoring-Plattformen ist möglich.
Wo automatisierte BITV-Tools an ihre Grenzen stoßen
Ein Tool erkennt, ob ein Bild einen Alternativtext hat – aber kaum, ob dieser Text die Bildaussage tatsächlich verständlich und passend zum Kontext wiedergibt.
Automatisierte Checks können feststellen, ob bestimmte Attribute, Strukturen oder Kennzeichnungen technisch vorhanden sind. Ob die hinterlegten Informationen inhaltlich sinnvoll sind und in der konkreten Nutzungssituation funktionieren, lässt sich dagegen häufig nur manuell beurteilen.
Das gilt etwa für Alternativtexte, Überschriften und Linktexte. Noch deutlicher werden die Grenzen bei Interaktionen: Wird der Tastaturfokus nach dem Öffnen eines Dialogs sinnvoll gesetzt? Ist ein Dropdown-Menü mit Screenreader verständlich bedienbar? Auch die inhaltliche Qualität von Untertiteln und Audiodeskriptionen lässt sich nicht zuverlässig automatisiert bewerten.
So kommt es häufig vor, dass ein Element laut Tool technisch einwandfrei fokussierbar ist und der automatisierte Check deshalb keinen Fehler meldet, es für Tastaturnutzer aber trotzdem kaum bedienbar ist, weil der Fokusring per CSS deaktiviert wurde und beim Durchtabben nicht sichtbar ist, wo man sich gerade befindet. Solche Fälle zeigen, warum automatisierte Ergebnisse nie ungeprüft übernommen werden sollten.
Automatisierte Tools können außerdem zu falschen Ergebnissen kommen. So kann ein Tool eine Barriere melden, obwohl im konkreten Kontext keine besteht. Umgekehrt kann es ein tatsächliches Problem übersehen, wenn technisch zunächst alles korrekt erscheint. Solche Ergebnisse werden als falsch-positive beziehungsweise falsch-negative Ergebnisse bezeichnet.
Automatisierte Tools können deshalb keine vollständige BITV-Konformität bestätigen. Ihre Ergebnisse müssen fachlich eingeordnet und bei Bedarf manuell überprüft werden.
Manuelle BITV-Prüfung: Kontext und Bedienbarkeit bewerten
Eine manuelle Barrierefreiheitsprüfung untersucht nicht nur den Code, sondern auch die tatsächliche Bedienung und Wahrnehmung des digitalen Angebots. Erfahrene Prüfer führen definierte Interaktionen aus und bewerten, ob Inhalte und Funktionen mit unterschiedlichen Eingabemethoden und assistiven Technologien zugänglich sind.
Dazu gehören unter anderem Tests:
- ausschließlich mit der Tastatur,
- mit verschiedenen Zoom- und Darstellungsstufen,
- mit einem Screenreader,
- mit veränderten Textabständen,
- bei schmaler Bildschirmdarstellung,
- ohne Farbwahrnehmung als einzige Information,
- in unterschiedlichen Browser- und Gerätekonstellationen.
Im BIK-Prüfverfahren werden beispielsweise verschiedene Browser, Hilfswerkzeuge und der Screenreader NVDA eingesetzt. Welche Werkzeuge dabei zum Einsatz kommen, ist jedoch zweitrangig. Wichtig ist, dass die Prüfung nach einer klaren Methodik erfolgt und sich das Ergebnis nachvollziehen lässt.
Wie läuft eine manuelle BITV-Prüfung ab?
Der genaue Ablauf hängt vom Webangebot und dem gewählten Prüfstandard ab.
In der Praxis beginnen wir nicht sofort mit dem Abarbeiten einzelner Prüfkriterien. Zuerst müssen wir verstehen, welche Seitentypen, Komponenten und Nutzerprozesse für das Angebot wirklich relevant sind.
Typischerweise umfasst eine manuelle Accessibility-Prüfung folgende Schritte:
- Prüfziel definieren: Zunächst wird festgelegt, ob beispielsweise eine Prüfung nach BITV 2.0, EN 301 549, WCAG 2.2 oder im Hinblick auf Anforderungen des BFSG erfolgen soll.
- Webangebot analysieren: Die Prüfer erfassen Seitentypen, wiederkehrende Komponenten, eingebundene Technologien und zentrale Nutzerprozesse.
- Repräsentative Seitenauswahl erstellen: Aus dem gesamten Angebot werden Seiten und Funktionen ausgewählt, die den technischen und redaktionellen Umfang angemessen abbilden.
- Automatisierte Vorprüfung durchführen: Automatisierte Werkzeuge liefern erste Hinweise auf wiederkehrende und technisch eindeutig erkennbare Fehler.
- Manuell nach Prüfkriterien testen: Anschließend werden die ausgewählten Seiten und Prozesse anhand der relevanten Prüfschritte untersucht.
- Assistive Technologien einsetzen: Je nach Prüfgegenstand kommen unter anderem Screenreader, Tastatursteuerung und verschiedene Darstellungsoptionen zum Einsatz.
- Barrieren dokumentieren und priorisieren: Festgestellte Probleme werden beschrieben, den betroffenen Kriterien zugeordnet und mit Hinweisen zur Behebung ergänzt.
- Korrekturen und Retest durchführen: Nach der technischen, gestalterischen oder redaktionellen Überarbeitung wird geprüft, ob die Barrieren wirksam beseitigt wurden und keine neuen Probleme entstanden sind.
Das Ergebnis ist nicht nur eine Liste technischer Fehler. Ein aussagekräftiger Prüfbericht zeigt, welche Nutzergruppen betroffen sind, in welchem Kontext ein Problem auftritt und wie dringend die Behebung ist.
Expertenprüfung und Nutzertest sind nicht dasselbe
Eine manuelle Expertenprüfung wird häufig mit einem Nutzertest gleichgesetzt. Beide Verfahren erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben.
Bei einer manuellen Expertenprüfung bewerten geschulte Prüfer das Webangebot anhand definierter Anforderungen und reproduzierbarer Prüfschritte. Ziel ist eine fachlich nachvollziehbare Bewertung der technischen und inhaltlichen Konformität.
Bei einem Nutzertest mit Menschen mit Behinderungen bearbeiten Teilnehmer konkrete Aufgaben unter realen Bedingungen. Dabei können Schwierigkeiten sichtbar werden, die über formale Einzelkriterien hinausgehen – beispielsweise unverständliche Prozesse, eine hohe kognitive Belastung oder eine insgesamt umständliche Navigation.
Ein Nutzertest kann eine standardbasierte Expertenprüfung nicht ersetzen. Umgekehrt bildet auch ein formaler BITV- oder WCAG-Test nicht jede individuelle Nutzungssituation vollständig ab.
Für geschäftskritische Prozesse wie Registrierung, Produktsuche, Terminbuchung, Antragstellung oder Checkout ist eine Kombination besonders sinnvoll:
- Die Expertenprüfung bewertet die Einhaltung definierter Anforderungen.
- Der Nutzertest zeigt, wie gut reale Personen den gesamten Prozess bewältigen.
- Automatisierte Tests sichern wiederkehrende technische Qualitätsmerkmale ab.
Automatisierte und manuelle Prüfung im Vergleich
| Kriterium | Automatisierter Test | Manuelle Expertenprüfung | Nutzertest |
|---|---|---|---|
| Umfang | Viele Seiten und wiederkehrende Komponenten | Repräsentative Auswahl | Ausgewählte Nutzungsszenarien |
| Ergebnis | Technische Hinweise und Fehlermeldungen | Kriterienbezogener Prüfbericht | Beobachtungen und Nutzungserkenntnisse |
| Prüfgeschwindigkeit | Hoch | Mittel bis niedrig | Niedrig |
| Inhalt und Kontext | Stark eingeschränkt | Umfassend bewertbar | Aus Nutzersicht bewertbar |
| Screenreader-Kompatibilität | Stark eingeschränkt | Gezielt prüfbar | Im persönlichen Nutzungskontext prüfbar |
| Formaler Konformitätsnachweis | Nicht möglich | Nur im entsprechenden Prüfverfahren | Nicht möglich |
| Typischer Einsatz | Entwicklung und Monitoring | Audit und Qualitätssicherung | Optimierung wichtiger Nutzerprozesse |
Die drei Verfahren stehen also nicht in Konkurrenz, sie beantworten unterschiedliche Fragen: Automatisierte Tests zeigen, ob es technisch erkennbare, wiederkehrende Fehler gibt. Die manuelle Prüfung klärt, ob die definierten Anforderungen im konkreten Kontext erfüllt sind. Und der Nutzertest zeigt, ob reale Nutzer ihre Aufgaben tatsächlich erfolgreich erledigen können.
Wann ist welches Prüfverfahren sinnvoll?
Automatisierte Tests lohnen sich besonders, wenn große Seitenmengen regelmäßig kontrolliert werden sollen, neue Komponenten entstehen, Accessibility-Checks in den Entwicklungsprozess integriert werden oder nach einem Update Regressionen ausgeschlossen werden sollen.
Eine manuelle BITV-Prüfung ist vor allem dann sinnvoll, wenn der aktuelle Stand der Barrierefreiheit belastbar bewertet werden soll – etwa vor einem Go-live, nach einem Relaunch, bei komplexen Formularen und dynamischen Komponenten oder wenn gesetzliche und vertragliche Anforderungen nachgewiesen werden müssen.
Nutzertests setzen wir vor allem dort ein, wo zentrale Nutzerprozesse optimiert werden sollen: wenn die praktische Bedienbarkeit im Vordergrund steht, ein Angebot besonders unterschiedliche Zielgruppen anspricht oder nach einer formalen Prüfung weiterhin Usability-Probleme vermutet werden.
Der empfohlene hybride Testprozess
Die zuverlässigsten Ergebnisse entstehen, wenn Barrierefreiheit nicht erst kurz vor dem Go-live geprüft wird, sondern von der Konzeption bis zum laufenden Betrieb mitgedacht wird:
- Anforderungen in der Konzeption definieren – Standards, Vorgaben und Zielgruppen fließen früh in User Stories und Abnahmekriterien ein.
- Komponenten frühzeitig testen – im Designsystem oder Komponenten-Repository. Eine dort behobene Barriere muss später nicht auf jeder Seite einzeln korrigiert werden.
- Automatisierte Tests in die Entwicklung integrieren – mit definierten kritischen Fehlern, die eine Freigabe verhindern.
- Manuelle Prüfung zentraler Seitentypen vor dem Go-live, unter anderem mit Tastatur und Screenreader.
- Barrieren beheben und erneut prüfen.
- Barrierefreiheit dauerhaft überwachen – Inhalte, Komponenten und externe Dienste verändern sich laufend. Auch nach dem Launch können deshalb neue Barrieren entstehen, etwa durch redaktionelle Inhalte, neue Komponenten oder externe Dienste.
Wie oft eine vollständige Prüfung nötig ist, hängt von Änderungsfrequenz und Risiko des Angebots ab. Nach einem Relaunch, einem größeren Systemupdate oder der Einführung neuer zentraler Funktionen sollten Sie in jedem Fall erneut testen.
Was kostet ein BITV-Test?
Die Kosten lassen sich nicht allein an der Anzahl der URLs festmachen. Entscheidend ist, wie viele unterschiedliche Seitentypen, Komponenten und Nutzerprozesse geprüft werden müssen – Größe und technische Komplexität des Angebots, Umfang dynamischer Komponenten und Formulare, geschützte oder personalisierte Bereiche, eingebundene externe Anwendungen, zu prüfende PDF-Dokumente, der gewünschte Prüfstandard sowie der Beratungsbedarf bei der Fehlerbehebung spielen alle mit hinein.
Ein kleiner Webauftritt mit wenigen Templates braucht deutlich weniger Prüfaufwand als ein umfangreiches Serviceportal mit Login, Formularstrecken, Suche und individualisierten Inhalten. Bei einem formalen BIK BITV-Test wird das Angebot anhand einer repräsentativen Seitenauswahl und der technischen Komplexität kalkuliert.
Die konkrete Bearbeitungszeit hängt unter anderem von Umfang, Komplexität und Auslastung der jeweiligen Prüfstelle ab. Aktuelle Angaben zur Bearbeitungszeit sollten deshalb direkt bei BIK beziehungsweise der jeweiligen Prüfstelle geprüft werden. Für projektbezogene Audits, Selbsttests oder Retests können andere Zeiträume gelten.
Welche Ergebnisse liefert eine Barrierefreiheitsprüfung?
Der konkrete Lieferumfang sollte vor der Beauftragung abgestimmt werden. Ein professioneller Prüfbericht kann folgende Bestandteile enthalten:
- geprüfter Standard und Prüfumfang
- dokumentierte Seitenauswahl
- Zuordnung zu Prüfschritten und Anforderungen
- Beschreibung der gefundenen Barrieren
- betroffene Seiten und Komponenten
- Schritte zur Reproduktion eines Problems
- Einstufung nach Dringlichkeit oder Schweregrad
- technische und redaktionelle Lösungshinweise
- bereits gut umgesetzte Bereiche
- Gesamtbewertung
- Empfehlungen für die weitere Qualitätssicherung
Für Entwicklungsteams ist eine priorisierte und nachvollziehbare Dokumentation besonders wichtig. Allgemeine Meldungen wie „ARIA fehlerhaft“ oder „Formular nicht barrierefrei“ reichen für eine effiziente Behebung meistens nicht aus.
Eine hilfreiche Beschreibung beantwortet mindestens vier Fragen:
- Wo tritt das Problem auf?
- Wie kann es reproduziert werden?
- Welche Nutzer sind davon betroffen?
- Wie lässt es sich beheben?
Fazit
Automatisierte Barrierefreiheitstests prüfen viele Seiten schnell, konsistent und wiederholbar. Sie eignen sich ideal für Entwicklung, Monitoring und die frühzeitige Erkennung technisch eindeutiger Fehler.
Eine vollständige Bewertung der digitalen Barrierefreiheit ist damit jedoch nicht möglich. Ob Inhalte verständlich sind, der Tastaturfokus sinnvoll geführt wird oder eine komplexe Anwendung mit einem Screenreader bedienbar ist, muss manuell geprüft werden.
Aus unserer Erfahrung fährt man am besten mit allen drei Perspektiven zusammen: automatisierten Tests für die technische Breite, manuellen Expertenprüfungen für Kontext und Konformität, Nutzertests für die praktische Nutzungserfahrung. So wird Barrierefreiheit nicht zur einmaligen Kontrolle kurz vor dem Launch, sondern zu einem festen Bestandteil der laufenden Qualitätssicherung.
BITV-Test und Prüfung der digitalen Barrierefreiheit mit DMK E-BUSINESS
Digitale Barrierefreiheit betrifft Konzeption, Design, Entwicklung, Redaktion und Qualitätssicherung gleichermaßen. Unser Team begleitet Sie deshalb nicht nur bei der Identifikation von Barrieren, sondern auch bei deren nachhaltiger Beseitigung – von der ersten Beratung bis zur technischen Umsetzung.
Unsere Leistungen rund um BITV und digitale Barrierefreiheit:
- Beratung zur digitalen Barrierefreiheit
- Automatisierte und manuelle Accessibility-Prüfungen
- BITV-Selbsttests und vorbereitende Audits
- Konzeption barrierefreier Webangebote
- Barrierefreies UX- und UI-Design
- Entwicklung zugänglicher Websites und Webanwendungen
- Unterstützung bei Priorisierung und Behebung von Barrieren, inklusive Retests
- Schulungen für Entwicklung, Design und Redaktion
Sie möchten wissen, welche Prüfstrategie zu Ihrer Website oder Anwendung passt? In einem ersten Austausch klären wir den relevanten Standard, die wichtigsten Nutzerprozesse und den sinnvollen Prüfumfang. Anschließend erhalten Sie eine nachvollziehbare Empfehlung für automatisierte Tests, manuelle Prüfung und mögliche Retests.
