2 Replatforming vs. Umgestalten und Optimieren
- Der ultimative Leitfaden für das E-Commerce-Replatforming -

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Der ultimative Leitfaden für das E-Commerce-Replatforming ist eine Übersetzung des englischen "Ultimate Guide to eCommerce Replatforming" der OroInc.

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2 Replatforming vs. Umgestalten und Optimieren

Nur weil Sie Performance-Probleme auf Ihrer E-Commerce Platform sehen, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie eine neue Plattform benötigen. Replatforming ist ein großes Unterfangen und nicht etwas, das man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Stellen Sie also sicher, dass es wirklich in Ordnung ist, bevor Sie diesen Schritt machen. Wie erkennen Sie den Unterschied? Werfen Sie einen Blick auf die Ursachen für schlechte Performance.

2.1 Onsite-Suche

Wie bereits erwähnt, ist die Nutzung der Onsite-Suche an und für sich kein negatives Zeichen. Es ist im Allgemeinen ein positives Signal, dass ein Besucher die Customer Journey und damit einen Dialog beginnt, der seine Bereitschaft zum Kauf Ihres Produkts oder Ihrer Dienstleistung anzeigt. Es ist allerdings ein Warnsignal, wenn Sie sehen, dass Besucher immer und immer wieder nach dem gleichen Artikel oder der gleichen Information suchen. Das ist ein klares Signal, dass es ein Problem mit dem UI-/UX-Design gibt. Es könnte an der Menüstruktur liegen - wie viele Ebenen und Klicks sind nötig, um zu dem Element zu gelangen - oder auch an der Terminologie, die Sie verwenden. Verwenden Sie beispielsweise oft spezifischen Branchenjargon? Alles, was sich ein Besucher wünscht, ist eine saubere, produktive Erfahrung. Machen Sie es nicht zu kompliziert.

2.2 Hohe Absprungraten

Hohe Absprungraten können ein Zeichen dafür sein, dass etwas nicht in Ordnung ist. Aber sie sind normalerweise nicht unbedingt ein Signal dafür, dass ein Replatforming notwendig ist. Analysieren Sie in jedem Fall tiefgreifend die Ursachen der Absprünge. Wenn Ihre Bilder beispielsweise nicht für ein schnelles Laden optimiert sind, kann dies die Ladezeiten der Seite nach unten ziehen. Langsame Seitenladezeiten sind ein Traffic-Killer. Je mehr Bilder Sie haben, desto mehr Möglichkeiten haben Sie, die Website zu verlangsamen. Und heutzutage haben Websites oft viele Bilder, und Bildgrößen sind häufig größer als in der Vergangenheit, wie Sie in der folgenden Tabelle nachvollziehen können.

Reduzieren Sie Ihre Bilder daher auf die kleinste noch gut nutzbare Größe. Verwenden Sie eine verlustbehaftete Komprimierung, um alle nicht benötigten Dateiinformationen zu entfernen. Nutzen Sie die Option Progressives Laden für JPEG-Dateien. Dadurch wird die Bilddatei zumindest scheinbar schneller geladen, weil der Benutzer dieses schneller sieht.

Überprüfen Sie auch Ihre Ressourcen, um festzustellen, ob sie einen Engpass verursachen. Benutzen Sie beispielsweise ein CDN, um Ihre Ladegeschwindigkeit zu optimieren? Dabei handelt es sich um ein weltweit verteiltes Computernetzwerk, das zwischengespeicherte Versionen Ihrer Website bzw. nicht dynamischer Teile der Website speichert. Wenn der Browser eines Benutzers einen Aufruf zum Laden Ihrer Seite initiiert, antwortet das CDN. Die Seite wird schneller geladen, da sie von einem geographischen Standort in der Nähe des Benutzers kommt und eine Cache-Version der Seite bereitgestellt wird.

Verfügt Ihr Server über die notwendigen Ressourcen, um Ihren Datenverkehr zu verarbeiten? Wenn Ihre Lösung cloudbasiert ist, gehen Sie an die Grenzen der Fähigkeiten Ihres Providers? Ein Upgrade des Cloud-Service könnte eine mögliche und einfache Lösung sein. Oder, wenn Sie On-Premise agieren und Sie feststellen, dass Sie nicht über genügend Ressourcen verfügen, könnte ein Umstieg auf die Cloud helfen. Cloud-basierte Anwendungen laufen auf Hochleistungsservern für den Web-Betrieb mit optimierten Prozessoren unter der Haube. Wenn Ihre Plattform sowohl On-Premise als auch in der Cloud verfügbar ist, sprechen Sie mit Ihrem Provider, um herauszufinden, ob eine Migration in die Cloud sinnvoller ist als ein Replatforming des Systems.

Die endgültige Entscheidung über Migration zu einer neuen Plattform oder Aktualisierung der bestehenden Infrastruktur läuft darauf hinaus, festzustellen, ob Ihre Probleme miteinander verbunden sind und ob sie schließlich ursächlich auf Ihre B2B-E-Commerce-Plattform zurückzuführen sind. Wenn Ihre Kunden beispielsweise einen reibungsloseren Checkout- oder Nachbestellungs-Workflow wünschen und Ihre bestehende Plattform nicht mehr verbessert werden kann, dann müssen Sie migrieren. Wenn Ihre Kunden von der Website eines Konkurrenten kaufen, die eine Benutzererfahrung bietet, die der von Ihnen angebotenen Lösung überlegen ist, ist es an der Zeit, umzuziehen. Wenn die Ladegeschwindigkeiten durch Ihre bestehende Technologie behindert werden, ist es an der Zeit umzuziehen.

Das letztendliche Ziel des Replatforming sollte darin bestehen, zusätzliches Einkommen zu generieren und zu unterstützen.

2.3 Ängste des Replatformings addressieren

Wenn die Migration auf eine neue Plattform eine Gelegenheit ist, den Traffic, die Konversionsraten und die durchschnittliche Auftragsgröße zu erhöhen, warum schrecken dann alle Fachabteilungen, von der IT-Abteilung bis hin zu Vertrieb und Marketing, davor zurück? Es liegt daran, dass dort, wo es eine große Chance gibt, auch ein großes Risiko besteht. Die Menschen haben augenscheinlich Angst vor dieser Entscheidung, insbesondere aus folgenden Gründen:

  • Verschwendung von Ressourcen
  • Engagement und Verantwortung für ein großes Projekt
  • Angst vor generellem Misserfolg
  • Schmerzhafte Erfahrungen in einem großen IT-Projekt
  • Risiko des generellen Wandels

Menschen sind nicht furchtlos. Es liegt in unserer Natur, Situationen zu vermeiden, die negative Folgen haben könnten. Da es viele Möglichkeiten gibt, wie eine Plattform-Migration schief gehen kann, ist dies ein Projekt, das oft mehr gefürchtet als proaktiv angenommen wird. Wenn man jedoch die richtigen Werkzeuge einsetzt und einen umfassenden Plan entwickelt und verfolgt, gibt es wenig zu befürchten. Planen Sie richtig, führen Sie den Plan gut aus und erkennen Sie Hindernisse, bevor Sie mit der Implementierung beginnen. Lassen Sie uns nachfolgend diese Ängste addressieren und nach und nach analytisch angehen.

2.3.1 Angst vor Ressourcen-Verschwendung

Das Replatforming ist mit Kosten verbunden. Selbst wenn Sie eine kostenlose Open-Source-Lösung verwenden, entstehen Kosten für die Anpassung Ihrer Lösung und für die Integration in Ihre anderen eingesetzten Technologien. Sie müssen Daten von einer Plattform auf eine andere übertragen, so dass Datenmigrationskosten anfallen. Hinzu kommen die Kosten für das Testen und das Staging (die nicht annähernd mit den enormen Kosten von NICHT-Testen und Staging verglichen werden können). Weiterhin gibt es noch Kosten für neue Inhalte zu berücksichtigen.

Darüber hinaus könnten Sie versucht sein, über die versunkenen Investitionskosten in die bestehende Plattform nachzudenken. Fallen Sie nicht auf diese Versuchung herein. Versunkene Kosten sind nicht wiederherstellbar und sollten hier nicht in Betracht gezogen werden. Auf der anderen Seite gibt es sehr reale Opportunitätskosten zu berücksichtigen.

Die Ressourcen, die für das Replatforming aufgewendet werden, können nicht in anderen Bereichen verwendet werden, beispielsweise um Ihre Fertigung aufzurüsten oder in Forschung & Entwicklung zu investieren. Ressourcen sind kostbar und Sie wollen diese nicht verschwenden. Die Angst vor Ressourcenverschwendung ist also sehr real. Aber dieser Furcht kann durch sorgfältige Planung, Budgetierung und Zuweisung von Ressourcen begegnet werden.

2.3.2 Angst vor Verantwortung für ein großes Projekt

Es sind nicht nur die persönlichen Beziehungen, in denen wir Angst vor Verantwortung haben. Zu einer neuen Plattform zu wechseln bedeutet zudem, eine Art Beziehung zu Ihrer bestehenden Plattform abzubrechen, auch wenn es sich vielleicht um eine Hassliebe handelt. Die Angst vor einer Bindung an eine neue technologische Plattform beruht gewöhnlich auf einem Mangel an Vertrauen in diese. Sie haben ggf. Angst davor, sich auf eine neue Plattform festzulegen und für sie verantwortlich zu sein, weil Sie diese nicht vollständig kennen und ihr (noch) nicht vertrauen (können). Außerdem will niemand für ein großes, wichtiges Projekt verantwortlich sein, das potentiell schlecht läuft. Die Angst vor persönlicher Verantwortung ist ein Grund, warum Unternehmen eine suboptimale Situation so lange tolerieren, bis sie nicht mehr ignoriert werden kann. In kleinen Organisationen könnten Mitarbeiter sich an den Eigentümer wenden, um diesem die Verantwortung für Projekte von großem Umfang zu übergeben. Das ist häufig ein Problem, denn der Eigentümer hat oftmals schon genug Projektdruck von bestehenden Initiativen und den Mitarbeitern, die sie leiten. In größeren Unternehmen könnten sich Mitarbeiter von der C-Suite leiten lassen. In Wirklichkeit schaut die C-Suite vielmehr in die operativen Ebenen nach sinnvollen technischen Innovation. Mit der Verantwortung für ein großes Projekt ist ebenfalls ein erheblicher emotionaler Druck verbunden. Nicht jeder hat die innere Stärke, um damit umzugehen. Wirkliche Projektleader und Innovatoren in einem Unternehmen legen diese Ängste beiseite, übernehmen Verantwortung und riskieren auch einen Misserfolg.

2.3.3 Angst vor einem Scheitern

Neben der Angst vor Verantwortungsübernahme gibt es auch Versagensängste. Die Angst vor dem eigenen Versagen kann die Angst vor Verantwortungsübernahme antreiben und umgekehrt. Niemand will versagen. Das kann Menschen im Extremfall den Job kosten. Aber je größer das Risiko, desto größer die Belohnung. Die Angst vor Versagen ist eine der am leichtesten zu bewältigenden Ängste. Wie das alte Sprichwort sagt: "Niemand plant zu scheitern, aber er scheitert an der Planung".

Einfach ausgedrückt: Planen Sie nicht, zu scheitern. Planen Sie einfach. Die sorgfältige Planung, Budgetierung und Ressourcenzuweisung, die der Angst vor Verschwendung von Ressourcen entgegenwirkt, ist die gleiche Lösung, um der Angst vor Scheitern zu begegnen. Stellen Sie sicher, dass sich eine Gruppe enthusiastischer Befürworter für das Projekt einsetzt. Führen Sie sorgfältige und gewissenhafte Recherchen durch, wenn es um die Auswahl eines Anbieters geht. Planen Sie die Migration sorgfältig. Testen Sie diese und führen Sie sie durch. Und: scheuen Sie sich nicht, das Projekt zu launchen, wenn Sie (erst) zu 80% fertig sind.

2.3.4 Veränderungsängste

Die meisten Ängste, die mit einem Replatforming verbunden sind, lassen sich auf Veränderungsängste zurückführen. Und diese sind nur allzu menschlich. Die einzige Veränderung, die wir nicht fürchten, ist eine Veränderung, die wir als zu unseren Gunsten empfinden (niemand lehnt eine Gehaltserhöhung ab). Wenn Sie der Projektleiter sind, dann ist es Ihre Aufgabe zu verstehen, dass Menschen Veränderung fürchten, weil sie das Unbekannte verkörpern. Diese Angst lässt sich u.a. durch eine offene Kommunikation steuern, indem man immer wieder betont, dass die Veränderung notwendig, gut für das Unternehmen und gut für die Nutzer ist.

Schließlich: alle Ängste, die mit einem Replatforming verbunden sind, können durch Planung und Kommunikation adressiert werden. Durch sorgfältige Planung und offene Kommunikation werden Sie die mit dem Replatforming verbundenen Ängste positiv beeinflussen, wenn auch nicht vollständig ausräumen können.

2.3.5 Angst vor Trafficverlust

Zusätzlich zu den Ängsten des Scheiterns der Ressourcenverschwendung, sowie den Ängsten vor Verantwortungsübernahme und vor Veränderungen, die allesamt psychologische Ängste sind, gibt es die sehr reale Angst vor dem Verlust Ihrer Suchrangfolge, wenn ein Replatforming erfolgen soll. Sie haben in der Regel hart gearbeitet, um Ihre aktuellen Rankings zu erreichen und wollen diese keinesfalls verlieren. Mit einer gut durchdachten Strategie können Sie den Verlust minimieren.

Eine der besten Möglichkeiten, Ihre Rankings bei einem Replatforming zu erhalten, besteht darin, sicherzustellen, dass Sie der Versuchung widerstehen, Ihre Website komplett zu überarbeiten und dabei Design und Inhalt ebenfalls erheblich ändern. Es ist keine gute Idee, bei einem Replatforming größere Änderungen am Inhalt Ihrer Seiten vorzunehmen. So verlockend es auch sein mag, werden Sie erhebliche Schwierigkeiten bei der Fehlerbehebung haben. Wenn sich so viele Datenpunkte auf einmal ändern, wird das Situationsbild nicht klar sein und Sie werden nicht erfahren, welche Veränderung ursächlich für welches Ergebnis ist. Wenn Google Ihre Website regelmäßig crawlt, erwartet die Suchmaschine bestimmten Content zu finden. Wenn Sie auch diese Bausteine zusätzlich zu Ihrer Website-Architektur ändern, sieht Google mehr als nur frischen Content und kann die Entwicklung Ihrer Website sehr schlecht bewerten. Wenn Sie jedoch eine Strategie verfolgen, die beim aktuellen Content bleibt, auf Ihre neue Plattform migriert, auf eine Stabilisierung der Rankings wartet und diese dann als neuen Benchmark betrachtet, können Sie diese Befürchtung etwas minimieren. Darüber hinaus benötigen Sie einen konkreten Migrationsplan, der den Google-Suchalgorithmus wissen lässt, dass Sie Änderungen auf “richtige” Art und Weise vorgenommen haben. Eine sehr sorgfältige Strategie ist, Website-Kategorien und Inhalte beizubehalten, während URL-Umleitungen sorgfältig abgebildet, geplant und geprüft werden.

Es gibt keine Garantie dafür, dass Sie bei einem Replatforming die gleichen Ergebnisse behalten und das bestehende SEO-Ranking nicht verlieren. Aber um das Risiko zu verringern, machen Sie das Mapping und die Planung Ihrer Weiterleitungen zu einem wichtigen Teil der Planung des Projekts.


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